Entstehung
Zitate
Rahmen
Ziele
Prinzipien
Entwicklung
Maßnahmen
Vergleich
Quellen

Neues Steuerungsmodell (NSM - New Public Management)

1.  Definition

Neues Steuerungsmodell - NSM (engl.: New Public Management)
Umfassendes Modell zur Steigerung von Effektivität, Bürgerorientierung und Effizienz/Wirtschaftlichkeit u.a. durch Deregulierung, Dezentralisierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Controlling, Kontraktmanagement und durch die Führung der Verwaltungsbereiche als Konzern

2.  Weitere Informationen


Entstehung / Einordnung
International (von Finnland bis Neuseeland) diskutiertes und verwendetes Konzept, dessen deutsche Variante zunächst für die Kommunalverwaltung unter maßgeblicher Beteiligung der KGSt entwickelt wurde, inzwischen aber für alle Verwaltungsbereiche (also auch die Bundesverwaltung) als Reformmodell akzeptiert ist. Begriffe und Elemente werden z.T. unterschiedlich verwendet. Das Konzept des "aktivierenden Staates" kann sowohl als übergeordnetes Konzept wie als Teil des NSM gesehen werden.

Zitate

  1. Eine Organisation, bei der Erfolg oder Produktivität allein von der Schnelligkeit und der Intelligenz des steuernden Zentrums abhängig sind, wird der Vielfalt und dem Wechsel der Problemlagen nicht mehr gerecht.[1]
  2. Die Haushaltspläne sagen an Hunderten von Stellen, wieviel Geld die Verwaltung ausgeben darf, aber nirgends präzise, welche Leistungen (Produkte) sie mit diesem Geld erzeugen soll. [2]
  3. Ein oft zitierte Beispiel: der Hausmeister beauftragt ein viel teureres privates Gartenbauunternehmen, die Hecke zu schneiden, weil der Haushaltstitel, aus dem er sich eine Heckenschere hätte kaufen können, erschöpft ist.[3]

Rahmenbedingungen
Für die finanzielle Situation der öffentlichen Hände sollte beachtet werden, dass die Ausgaben in weit geringerem Maße durch interne Rationalisierung beeinflussbar sind als vielfach vermutet. Der Anteil der Personalausgaben am Haushalt des Bundes betrug 1999 nur etwa 10% [4], sprich: mit drastischem Personalabbau wird das Haushaltsdefizit nicht zu beheben sein, eher wird die Effektivität und Effizienz der Mittelvergabe von 90% des Bundeshaushalts drastisch sinken.

Entstehung
Zitate
Rahmen
Ziele
Prinzipien
Entwicklung
Maßnahmen
Vergleich
Quellen

Drastisch gestiegen sind vor allem die Einkommensübertragungen durch den Staat (um 420% innerhalb von 40 Jahren[5]). Die Gesamtbilanz ist allerdings Besorgnis erregend: die Verschuldung nährt sich selbst[6], weshalb es nicht einmal ausreicht, die Netto-Neuverschuldung zu stoppen. Allerdings erfordert eine rationale Politik dass dort Lösungen gesucht werden, wo sie auch gefunden werden könnten. Personalabbau kann dazu nur begrenzt beitragen, und Personalabbau ohne Reduzierung der Aufgaben erreicht eher das Gegenteil.

Ziele des NSM

allgemeine Formulierung Formulierung im Programm der Bundesregierung 1999
  • Mehr Leistung,
  • weniger Kosten,
  • bürgerfreundlichere Verwaltung,
  • höhere Mitarbeiterzufriedenheit
  • Mehr Leistung,
  • weniger Kosten,
  • mehr Bürgerorientierung und Transparenz,
  • motivierte Beschäftigte.

Prinzipien des Neuen Steuerungsmodells
Die KGSt fasst die Prinzipien des neuen Steuerungsmodells, nach denen die Verwaltung die Vorgaben der Politik umsetzen soll, wie folgt zusammen[7]:

Prinzipien des neuen Steuerungsmodells
Steuern statt Rudern:
Leistungen sind zu gewährleisten und zu kontrollieren, nicht alles ist selbst zu machen
Resultate statt Regeln:
Orientierung an Ergebnissen und Kosten statt Fixierung auf Verfahren und Regeln
Eigenverantwortlichkeit statt Hierarchie:
klare Zuweisung und ungeteilte Verantwortung für die Ressourcen
Wettbewerb statt Monopol:
Ermittlung von Kosten und Qualitäten öffentlicher Leistungen im Vergleich zu anderen Anbietern
Motivation statt Alimentation:
Neubestimmung der "Ressource Personal", die weit über eine Änderung des Dienstrechts hinausgeht

Entwicklung der Verwaltungsreform und des NSM

Quelle: Rainer Heinz, Verwaltungsreform: quo vadis? Online im Internet veröffentlicht, www.kgst.de,
übernommen am 8.12.2000[8]

KGSt: Entwicklung der Verwaltungsreform


Reformmaßnahmen im Überblick (B.K.)

Die Reformbereiche können wie folgt strukturiert werden (in Anlehnung an Dunkhorst[9]):

Aufgaben
(Verhältnis
Staat -
Gesellschaft)

  • Beschränkung auf Kernaufgaben:
    • Verzicht auf eigene Aktivitäten
    • (Materielle) Privatisierung
  • Deregulierung, Stärkung des Freiraums gesellschaftlicher Akteure
  • Förderung gesellschaftlicher Aktivitäten, wo nötig, als Ersatz staatlicher Aktivität
  • Public Private Partnership

Struktur
(Innen-
verhältnis)

  • Neue, klare Rollenverteilung zwischen Politik und Verwaltung
  • Dezentralisierung
  • Einheit von Fach- und Ressourcenverantwortung
  • Eigenverantwortung / Delegation

Verfahren

  • Budgetierung
  • Kosten- und Leistungsrechnung
  • Controlling
  • Berichtswesen
  • Zielvereinbarung / Kontraktmanagement
  • Qualitätsmanagement
  • Organisationsentwicklung / KVP usw.

Personal.

  • Qualifikation
  • Anreizsysteme
  • Führungssysteme
  • Verwaltungskultur
Entstehung
Zitate
Rahmen
Ziele
Prinzipien
Entwicklung
Maßnahmen
Vergleich
Quellen

 

Dabei sind diese Bereiche nicht isoliert zu betrachten, sondern - wie generell Aufbau- und Ablauforganisation einerseits, und Personalentwicklung und Management andererseits - ohnehin aufeinander bezogen wie unterschiedliche Strukturelemente ein und desselben Systems.

Erst die Vernetzung mehrerer Reformelemente zu einem größeren Ganzen macht die Reform wirksam und dauerhaft!

Vergleich von Bürokratiemodell und Neuem Steuerungsmodell [10]
(Oechsler / Vaanholt 1998, 156)

Bürokratiemodell New Public Management
Angebotsorientierung mit Zwangsnachfrage Nachfrageorientierung und Entwicklung eines "Produkt-Markt-Konzeptes"
ausgeprägte Hierarchisierung  Kontraktmanagement verselbständigter Organisationseinheiten 
Organisation nach Funktionen Organisation nach Geschäftsprozessen
normgeleitete Standardproduktion kundenorientierte Spezialisierung
kameralistische Prinzipien kaufmännische Prinzipien
Konditionalsteuerung Ergebnissteuerung
Gleichheit Wirksamkeit
Papierbindung und Aktenmäßigkeit Informations- und Kommunikationstechnologie
Kommunikation in festgelegten Kanälen vernetzte Systemarchitekturen
Alimentationsprinzip leistungsorientiertes Entgelt

 

3. Informationsquellen (Literatur, Internet-Adressen)

Literatur

Baden-Württemberg, Stabsstelle für Verwaltungsreform im Innenministerium (Hrsg.)
1999
Qualitätsmanagement und lernende Organisation in der Landesverwaltung Baden-Württemberg. Selbstverlag 1999
Blanke, Bernhard / von Bandemer, Stephan / Nullmeier, Frank / Wewer, Göttrik (Hrsg.)
2001
Handbuch zur Verwaltungsreform. 2. Auflage, Opladen 2001
Budäus, Dietrich / Conrad, Peter / Schreyögg, Georg [Hrsg.]
1998
New Public Management. Berlin ; New York 1998
Chmel, Andreas
1999
Das Neue Berliner Verwaltungsmanagement. Konzeption und Umsetzung sowie rechtliche Betrachtung eines politischen Kontraktmanagements. Berlin1999
Damkowski, Wulf / Precht, Claus
1995
Public Management. Neuere Steuerungskonzepte für den öffentlichen Sektor. Stuttgart 1995
Damkowski, Wulf / Precht, Claus (Hrsg.)
1998
Moderne Verwaltung in Deutschland. Public Management in der Praxis. Stuttgart 1998
Hill, Hermann / Klages, Helmut (Hrsg.)
1993
Qualitäts- und erfolgsorientiertes Verwaltungsmanagement. Aktuelle Tendenzen und Entwürfe. (Vorträge und Diskussionsbeiträge der 61. Staatswissenschaftlichen Fortbildungstagung 1993 der Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer) Berlin 1993
Hill, Hermann / Klages, Helmut (Hrsg.)
1997
Berlin - Unternehmen Verwaltung : ein erster Erfahrungsbericht zur Umgestaltung der Berliner Verwaltung. Stuttgart : 1997
Horváth & Partner
1996
Neues Verwaltungsmanagement. Grundlagen, Methoden und Anwendungsbeispiele. Düsseldorf, Loseblatt-Ausgabe ab 1996
Morlok, Martin / Windisch, Rupert / Miller, Manfred (Hrsg.)
1997
Rechts- und Organisationsprobleme der Verwaltungsmodernisierung. Berlin 1997
Mundhenke, Ehrhard
2000
Controlling / KLR in der Bundesverwaltung. Was man dazu wissen sollte. 3. Aufl., Brühl erhältlich über die Fachhochschule des Bundes (Schriftenreihe Bd. 34) und Online im Internet: http://www.fhbund.de/mundhenke
Reichard, Christoph
1994
Umdenken im Rathaus: Neue Steuerungsmodelle in der deutschen Kommunalverwaltung, Berlin 1994
Reinermann, Heinrich
2000
Neues Politik- und Verwaltungsmanagement: Leitbild und theoretische Grundlagen. Speyerer Arbeitshefte 130, Speyer 2000 (Erstveröffentlichung 1998), online im Internet: http://www.dhv-speyer.de/rei/publica/online/spah130.pdf
Naschold, Frieder
1993
Modernisierung des Staates: Zur Ordnungs- und Innovationspolitik des öffentlichen Sektors, Berlin

Internet-Adressen

Bundesregierung

http://www.staat-modern.de/

http://www.staat-modern.de/programm

Stabsstelle Moderner Staat im Bundesministerium des Innern. Dort sind auch das Programm der Bundesregierung 1999 sowie die laufenden Projekte, z.T. mit Materialien, dokumentiert.
Bundesländer http://www.staat-modern.de/infos /Links Link-Verzeichnis der Stabsstelle Moderner Staat u.a. zu Webseiten der Bundesländer zum Thema "Modernisierung"
KGSt http://www.kgst.de/ Die KGSt - Verband für kommunales Management - wurde gegründet als Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung mit Sitz in Köln
Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer dhv-speyer.de führende Hochschule für Verwaltungswissenschaften und Verwaltungsmodernisierung, vergibt u.a. den Speyerer Qualitätspreis
Zu weiteren Hochschulen und anderen Einrichtungen und Informationsangeboten s.z.B die Linksammlung der FH Bund, Bibliothek, Adressen, und die Linksammlung der Universität Potsdam, http://www.uni-potsdam.de/u/kwi/Link/1f.htm.

Entstehung
Zitate
Rahmen
Ziele
Prinzipien
Entwicklung
Maßnahmen
Vergleich
Quellen

Anmerkungen

[1]  Hermann Hill: Potenziale und Perspektiven der Verwaltungsmodernisierung. In: Morlok/Windisch/Miller (Hrsg.): Rechts- und Organisationsprobleme der Verwaltungsmodernisierung, 1997, S. 15. Dieser Hinweis verdeutlicht die zugrunde liegende Problematik auch in der Wirtschaft: dort geschah die Umorientierung als man entdeckte, dass man zwar privatwirtschaftliche Unternehmen hatte, intern aber nach planwirtschaftliches Regeln vorging, mit den aus den Planwirtschaften bekannten Ergebnissen. Deshalb entwickelten sich in der Privatwirtschaft neue Steuerungsmodelle.

Entsprechendes gilt für die öffentliche Verwaltung: zentralistische Steuerung ist ab einer gewissen Größe nicht mehr ausreichend leistungsfähig. Vgl. auch die Hinweise und Materialien zu Chaosmanagement.

[2] KGSt-Bericht 5/1993: Das Neue Steuerungsmodell

[3]  Hermann Hill: Modernes Management in Kommunalverwaltungen: Weg aus organisierter Unverantwortlichkeit. In: Das Parlament, Ausgabe "Kommunale Selbstverwaltung in Deutschland", 6. März 1998, S. 6.

[4] Statistisches Bundesamt. Bei den Ländern ist dieser Anteil allerdings wesentlich höher und liegt bei 38%, im Durchschnitt aller öffentlichen Haushalte beträgt er 19%. Der höhere Anteil bei den Ländern beruht aber gerade auf Leistungen, die für die Zukunftsfähigkeit entscheidend sind (Bildung) und deshalb kaum nennenswert verringert werden könnten.

[5] Rürup: Effizienzrevolution in der öffentlichen Verwaltung. Wann, wenn nicht jetzt? In: Verwaltung und Management, 2000, S. 267. Diese Zahlen beziehen sich auf den Staat insgesamt, nicht nur den Bundeshaushalt.

[6] Rürup, ebd., unter Verweis auf die Bundesbank

[7] unter Übernahme der Thesen von Werner Jann, Universität Potsdam, vorgetragen auf der Öffentlichen Anhörung der SPD-Bundestagsfraktion, 1995; vgl. KGSt, Ziele finden, Zahlen kennen, Handeln können. IKO-Netz, Köln o.J. (1996), S. 5

[8] Rainer Heinz, Leiter des KGSt-Programmbereichs "Bürger, Politik und Verwaltung". Der Beitrag ist ein Vorabdruck für die Zeitschrift "SOCIALmanagement 3/2001" (Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden), die sich Anfang Mai 2001 schwerpunktmäßig mit dem Stand der Verwaltungsreform in Deutschland beschäftigt. Online im Internet veröffentlicht www.kgst.de, übernommen am 8.12.2000

[9] Handbuch Qualitätsmanagement, 1999, S. 32

[10] Entnommen aus Oechsler, Walter A. / Vaanholt, Silke, Human Resource Management - Auswirkungen des New Public Management auf ein zeitgemäßes Personalmanagement in der öffentlichen Verwaltung. In: Budäus / Conrad / Schreyögg[Hrsg.], New Public Management. Berlin ; New York 1998, S. 156

Entstehung
Zitate
Rahmen
Ziele
Prinzipien
Entwicklung
Maßnahmen
Vergleich

 

Online-Verwaltungslexikon olev.de, Stand: 2002-08-28
Kontakt: lexikon@olev.de. Verantwortlich:  Prof. Dr. Burkhardt Krems, Köln