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Projekt / Projektmanagement
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"Projekt" |
Weitere Definitionen
Vorhaben, die
sollten als Projekt durchgeführt werden, d. h. in Projektorganisation und unter Beachtung der Regeln und mit den Instrumenten des Projektmanagements.
Liegt eines dieser Merkmale nicht vor, kommt eine andere Form der Aufgabenwahrnehmung in Betracht. Das schließt nicht aus, dass im Rahmen eines solchen Vorhabens Elemente des Projektmanagements verwendet werden, z. B. Planung der Arbeiten mit einem Projektstrukturplan, Zeit- und Ressourcenplanung und Controlling mit Terminlisten oder Balkendiagrammen, usw. (Einige der Techniken sind auch Teil von Selbstmanagement). Es gelten jedoch dann nicht die umfassenden Anforderungen, die an Projektmanagement zu stellen sind, es ist keine Projekt-Aufbauorganisation sinnvoll, auch die Anforderungen an die Qualifikation des "Projektleiters" sind anders.
Zu Merkmal 5: "Erheblicher Umfang"
Ein Projekt im förmlichen Sinne (mit Projektorganisation, Freistellung der
Mitglieder der Projektgruppe usw.) ist nur ab einer bestimmten Größenordnung
sinnvoll, dann aber im Zweifel auch geboten. Für die Beurteilung, ab welchem
Aufwand die Einrichtung eines Projektes gerechtfertigt sein kann, ist die
Klassifikation im Projektmanagement-Leitfaden der Projektgruppe Bund-Online[FN1a] hilfreich. Er unterscheidet folgende
Projektklassen:
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IT-Projektklassen |
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Kriterien |
Groß |
Mittel |
Klein |
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Gesamtaufwand (Euro) |
>300.000 € |
25.000 bis 300.000 € |
10.000 bis |
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Personalaufwand (PT=Personentage) |
>300 PT |
60 > 300 PT |
20 - 60 PT |
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Projektdauer |
>12 Monate |
3 - 12 Monate |
1 - 3 Monate |
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Anmerkung: Die in der Tabelle beispielhaft aufgeführten Kriterien zur Klassifizierung stellen Einordnungshilfen dar, wobei nicht zwangsläufig alle drei Kriterien zutreffend sein müssen. |
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Quelle: Projektmanagement-Leitfaden der Projektgruppe Bund-Online[FN1a] |
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Daraus ergibt sich, dass Vorhaben unterhalb der Grenze für Kleinprojekte keine förmliche Projektorganisation rechtfertigen. Allerdings können bei der Durchführung sehr wohl Regeln und Instrumente des Projektmanagements verwendet werden, z. B. das Minimalschema für kleine Projekte!
Schelle (Kapitel 2) betont, dass es keine objektive Grenze gäbe, aber empfehlenswert sei, interne Kriterien festzulegen. So könnte man z. B. vorsehen, dass alle Erst-und-Einmal-Vorhaben mit einer Zeitdauer von mehr als 6 Monaten und Kosten von mehr als 25 000 Euro als Projekt durchzuführen sind.
Formen der Aufgabenwahrnehmung (Projektorganisation
und Alternativen)
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Definitionen |
Mehr zur Abgrenzung und zu Alternativen
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Beispiele aus Verwaltung und Wirtschaft |
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LKW-Maut |
Mehrere Milliarden Einnahmen aus der LKW-Maut fehlen im Bundesetat, weil das System nicht fristgerecht fertig gestellt werden konnte. Das Problem dabei ist auch das Zusammenspiel zwischen öffentlichem Auftraggeber und den privaten Auftragnehmern nach den öffentlichen Beschaffungsregeln, so die Computer Zeitung Nr.14/29. März 2004, S. 9. |
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"Projekt Fiscus"
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Mit dem "Projekt Fiscus" sollte eine einheitliche Lohnsteuersoftware für die deutschen Finanzämter geschaffen werden. "Nachdem 900 Millionen Euro statt der geplanten 170 Millionen in das Projekt geflossen waren, drohte Bundesfinanzminister Hans Eichel jüngst mit dem Ausstieg." (Computer Zeitung Nr.14/29. März 2004, S. 9) |
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Inpol-neu
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"Im ersten Testbetrieb brach das System - nach immerhin fünfjähriger Entwicklungsdauer - im April 2001 nach wenigen Minuten zusammen. Trotz der langen Vorlaufphase erwies sich die Vernetzung der Polizeibehörden von Bund und Ländern als ein zu ehrgeiziges Ziel. Der Misserfolg von "Inpol-neu"
sorgte nicht nur beim BKA für schlechte Laune. Konrad Freiberg, Vorsitzender
der Gewerkschaft der Polizei, beklagt im Gespräch mit heute.online die
Verschwendung von 50 Millionen Euro Steuergeldern, der Bundesrechnungshof
geht sogar von zehn Millionen Euro mehr aus." |
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IT-Projekte in der Wirtschaft:
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Nach einer Erhebung der Oxford University können in Großbritannien nur 16 Prozent aller IT-Projekte als erfolgreich verbucht werden. Laut dem Fachblatt Technical Analytics & Strategic Management werden allein in den USA jedes Jahr 150 Milliarden Dollar vergeudet, EU-weit kommen 140 Milliarden Euro dazu. (Computer Zeitung Nr 26/21. Juni 2004, S. 10) |
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wichtige Vorhaben |
denn nur Vorhaben von besonderer Bedeutung werden als Projekte organisiert, Vorhaben mit Langzeitwirkung und grundsätzlicher Bedeutung (konzeptionelle Aufgaben, Strukturreformen usw.) |
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mit hohem Aufwand |
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aber |
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und |
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b) Weitere Aspekte
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Die sechs Stadien eines
Projekts |
c) Empirische Daten über die Folgen des Einsatzes von Projektmanagement
Wenn all diese Argumente nicht überzeugen, sei auf die praktischen Ergebnisse verwiesen, die in verschiedenen Untersuchungen aufbereitet worden sind und z. T. deutliche Vorteile ergeben haben. Z. B. wurden in Bayern in den Bezirken und Landkreisen die veranschlagten Baukosten mit Hilfe von Projektmanagement in 91% der Fälle eingehalten oder sogar unterschritten (Nachweise und weitere Informationen bei Schelle, Kapitel 2).
d) Besondere Anforderungen an die Projektleitung
Wegen der besonderen Anforderungen von Projekten (siehe a) ist die Projektleitung besonders schwierig und verantwortungsvoll und sollte deshalb nur entsprechend qualifizierten Personen übertragen werden,
Anders formuliert:
An einen Projektleiter sind besondere Anforderungen zu stellen, weil er durch
Neuland navigieren, Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen integrieren und
koordinieren und nicht alltägliche Probleme mit nicht alltägliche Techniken
lösen soll.
Deshalb muss ein Projektleiter nicht nur die erforderlichen Kenntnisse und
Fertigkeiten durch Fortbildung, sondern zusätzlich Erfahrungen in anderen
Projekten als Mitglied einer Projektgruppe oder als stellvertretender
Projektleiter erworben haben – also unter Anleitung und der Möglichkeit, an
guten Beispielen zu lernen.
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Definitionen |
Die Nutzung der besonderen Organisationsform "Projekt" ist heute anerkanntes Element einer modernen Verwaltung. So formuliert die im Jahr 2000 neugefasste "Gemeinsame Geschäftsordnung der Bundesministerien - GGO - " in § 10 Abs. 2:
Für zeitlich befristete, komplexe Aufgaben, die einen übergreifenden Personaleinsatz erfordern, sind vorzugsweise Projektgruppen einzurichten. Leitung, Ziel, Kompetenzen sowie Personal- und Sachmittel sind in dem Projektauftrag festzulegen.
Verschiedene Bundesressorts und Einrichtungen der Bundesverwaltung haben besondere Regelungen für Projektorganisation und Projektmanagement geschaffen, um die Verwendung zu fördern, vor allem aber auch Mindeststandards zu erreichen, ebenso wie etwa verschiedene Kommunen.[FN9] Regelungen für die Durchführung von Projekten können auch ein Element von Qualitätsmanagement sein, das "Prozessbeherrschung" als Kernelement enthält. Gehören Projekte zum Alltag, müssen auch dafür qualitätsorientierte und -geprüfte Verfahrensregelungen existieren.
Hervorzuheben ist der ProjektManagement-Leitfaden, der die Durchführung von E-Government-Projekten im Rahmen von BundOnline 2005 unterstützen soll, und die dafür entwickelten Werkzeuge ("Tools"). Siehe im übrigen die speziellen Quellen für die öffentliche Verwaltung.
Unterschiedliche Arten von Projekten erfordern unterschiedliche Vorgehensweisen und Techniken. Folgende Projektarten weisen jeweils Besonderheiten auf, die berücksichtigt werden müssen:
(nach dem „Sachziel“) und der besonderen Relevanz für die öffentliche Verwaltung [FN4a]
Ferner kann man Projektmanagement entsprechend den aufteilen in
Schelle[FN7]
weist darauf hin, dass Literatur und Fachdiskussion sich auf die operativen
Aspekte konzentrieren und die strategischen Fragen - trotz des größeren Gewichts
- oft nicht behandeln.
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Definitionen |
Nach DIN 69901 ist eine Projektphase ein ''zeitlicher Abschnitt eines
Projektablaufs, der
sachlich gegenüber anderen Abschnitten getrennt ist.'' Entsprechend den
Grundregeln des Projektmanagements sollten die Phasen mit einem konkreten
Ergebnis und ggf. seiner Überprüfung enden, sprich: mit einem Meilenstein.
Meilensteine sind gleichzeitig regelmäßig Anlass für Entscheidungen des
Projektlenkungsausschusses und/oder des Auftraggebers.
In Anlehnung an den allgemeinen Problemlösungsprozess lassen sich zumindest folgende Phasen unterscheiden:
wobei diese Phasen je nach Art und Umfang des Projekts weiter untergliedert werden sollten. Für übliche Verwaltungsprojekte typisch könnte die folgende Unterteilung sein (jeweils mit Angabe des Ergebnisses / Meilensteins):
Besondere Regeln gelten etwa
die zu berücksichtigen sind, hier aber nicht behandelt werden.
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Projektmerkmale |
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Boy, Jacques / Dudek, Christian / Kuschel, Sabine |
2003 |
Projektmanagement : Grundlagen, Methoden und Techniken, Zusammenhänge.
11. Aufl., Offenbach 2003 (Euro 9,95) |
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2004 |
Projekte zum Erfolg führen. Projektmanagement systematisch und kompakt. 4. Aufl., München 2004 ( Euro 11,00, Beck-DTV-Taschenbuch) |
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Litke, Hans-Dieter / Kunow, Ilonka |
2000 |
Projektmanagement. 4. Aufl., 2004 (Euro 6,60) |
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Der
alternative Zugang zum Thema: |
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Internet-Quelle: |
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Glossar des Projektmagazins (kompetende Definitionen, aber ausführlicher Beiträge sind kostenpflichtig) |
Spezielle Quellen für die öffentliche Verwaltung
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BMI - BundOnline 2005 |
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ProjektManagement-Leitfaden: http://www.wms.bundonline.bund.de |
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2002 |
Hinweise und Verwaltungsvorschriften für die Durchführung von IT-Projekten in der Bundesfinanzverwaltung - VV-BMF-IT-Projekte -, Stand: 2. Mai 2002, derzeit nicht veröffentlicht, aber Grundlage des BundOnline-Projektleitfadens |
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Bundesministerium des Innern |
2000 |
Praxisleitfaden Projektmanagement: s. Internet-Quelle und Anmerkungen unten |
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Ewert, Wolfgang u.a. |
1996 |
Handbuch Projektmanagement Öffentliche Dienste. Grundlagen, Praxisbeispiele und Handlungsanleitungen für die Verwaltungsreform durch Projektarbeit. Bremen 1996 |
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1996 |
Projektmanagement, Erfolgspotentiale in der öffentlichen Verwaltung.
In: Bayerische Verwaltungsschule [Hrsg.]: Modernes Verwaltungsmanagement.
Stuttgart 1996, S. 192-214 |
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Zechner, Gisela |
1998 |
Projekte auf kommunaler Ebene erfolgreich managen. Praxishandbuch für erfolgreiche Regionalinitiativen. Methoden - Wege - Strategien. Wien 1998 |
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Baden-Württemberg, Innenministerium, Stabsstelle für Verwaltungsreform |
1998 |
Weiterführende Literatur
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Diethelm, Gerd / Bernhard, Thomas |
2000 |
Projektmanagement. Band 1. Grundlagen : Kennzeichen erfolgreicher Projektabwicklung; Aufbau- und Ablauf des Projektmanagements; Planung, Überwachung und Steuerung von Projekten. Herne/Berlin 2000 |
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DIN Deutsches Institut für Normung e.V. |
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GPM/ RKW (Hrsg.) |
2001 |
Projektmanagement-Fachmann, 2 Bände, 6. Auflage, 2001 (wird als Standard-Werk gelobt, Herausgeber sind das RKW, Rationalisierungskuratorium der Deutschen Wirtschaft e.V. im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums sowie die GPM, Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V.) |
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Litke, Hans-Dieter |
1995 |
Projektmanagement. Methoden, Techniken, Verhaltensweisen. München/Wien 1995 |
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Lock, Dennis: Projektmanagement |
1997 |
Projektplanung, Projektfinanzierung, Projektcontrolling, Computersystem, Netzplantechnik, Notfallmodifizierung, Verträge, Fallstudien. (Aus dem Engl.) Wien 1997 |
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DeMarco, Tom |
2001 |
Spielräume. Projektmanagement jenseits von Burn-out, Stress und Effizienzwahn. München 2001 |
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Pfetzing, Karl / Rohde, Adolf |
2001 |
Ganzheitliches Projektmanagement. Gießen 2001 |
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Reschke, H. / Schelle, H. / Schnopp, R. / Schub, A. (Hrsg.) |
1994 ff. |
Loseblattsammlung "Projekte erfolgreich managen", Köln 1994 ff. |
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Rinza, Peter |
1998 |
Projektmanagement. Planung, Überwachung und Steuerung von technischen und nichttechnischen Vorhaben, 4. Auflage. Berlin 1998 |
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Steinbuch, Pitter A. |
1998 |
Projektorganisation und Projektmanagement. Ludwigshafen 1998 |
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Schelle, Heinz / Ottmann, Roland / Pfeiffer, Astrid |
2004 |
ProjektManager. 2. Aufl., 2005 |
"Meta-Quellen"
Bücherliste der GPM: http://www.gpm-ipma.de/07-1.htm (Angabe übernommen am 21.07.2002)
Erhard Motzel, Qualifizierung und Zertifizierung im Projektmanagement, in: Schelle 2001, S. 273 ff.
Lernsoftware
Es gibt eine gute Lernsoftware zum Projektmanagement von (externer Link) Metatrain. Andere Lernsoftware wurde von mir nicht getestet und kann deshalb nicht beurteilt werden.
Internet-Adressen
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Projektmagazin (u. a. auch mit einem vorzüglichen Glossar) |
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International Project Management Association IPMA |
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Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz (Werkzeuge für Projektmanagement) |
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IT-Projektmanagement |
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Anmerkungen zum Praxisleitfaden "Projektmanagement im BMI":
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Definitionen |
Anmerkungen
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Schelle 2001, S. 19, der Hinweis auf das Fehlerpotenzial wurde ergänzt |
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Übernommen von http://www.wms.bundonline.bund.de am 1. Juli 2004 |
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Luhmann, Niklas: Lob der Routine. In: Verwaltungsarchiv 55 (1964), S. 1-33; neu gedruckt in: Renate Mayntz (Hrsg.), Bürokratische Organisation, Köln-Berlin 1968, S. 324-341 |
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zum Stand dieser Arbeiten s. Erhard Motzel, Qualifizierung und Zertifizierung im Projektmanagement, in: Schelle 2001, S. 273 ff. |
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„Koordination“ ist die Abstimmung und Steuerung arbeitsteiliger Prozesse. Dies zu gewährleisten ist eine entscheidende Gestaltungs- und Steuerungsaufgabe des Managements bzw. der Organisationsarbeit. - Die Ergebnisse von Mitzeichnungsverfahren ("negative Koordination" auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner) wurden aufgrund von empirischen Untersuchungen zunächst von Fritz W. Scharpf beschrieben (aus neuerer Zeit s. seinen Beitrag "Positive und negative Koordination in Verhandlungssystemen." In: Adrienne Héritier (Hrsg.), Policy Analyse. Kritik und Neuorientierung. Politische Vierteljahresschrift, Sonderheft 24. Opladen: Westdeutscher Verlag, 57-83) und sind seitdem eine etablierte Erkenntnis in der Politik- und Organisationswissenschaft. |
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In Anknüpfung an Schelle, in: Projektmanagement-Fachmann, 2001, S. 31, ergänzt um "Software-" und "Normsetzungsprojekte". |
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Strategisches Projektmanagement umfasst nach Schelle, ebd.:
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operatives Projektmanagement umfasst nach Schelle, ebd.:
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Ebd. |
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So der BMI für seinen Geschäftsbereich (s. oben zu diesem Praxisleitfaden). Der BMF hat eine ausführliche und nach Projektklassen differenzierende Regelung für IT-Projekte, die auch in den Projektmanagement-Leitfaden BundOnline übernommen worden ist (s. http://www.wms.bundonline.bund.de). Der Deutsche Wetterdienst DWD hat einen entsprechenden Leitfaden, ebenso wie verschiedene Kommunalverwaltungen (z. B. die Stadt Hagen). |
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Schelle 2001, S. 44 |
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© Copyright: Prof. Dr. Burkhardt Krems, Köln, 2012-05-21 |