Das Konzept des Online-Verwaltungslexikons

(Beitrag im Online-Verwaltungslexikon olev.de, Version 1.42)

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Jahresstatistik Olev 2013

Statistische Daten 2012 sind hier verfügbar.

Das Konzept in Kürze:
Wissensmanagement für gutes Management im öffentlichen und im dritten Sektor:

Detailliert zum Konzept die PP-Präsentation (PDF-Datei, 142 kB)

Inhalt Eine "bunte" Praxis ...
... und Unklarheiten in den Fachwissenschaft
en
Wissensmanagement für die Verwaltungsmodernisierung - die vergessene Aufgabe
Wissensspeicher: Begriffe und Mehr ...
Träger dieses Lexikons
Zum Problem der Begriffsbildung

Eine "bunte" Praxis ...

nach obenViele stricken mit an dem bunten Bild, das sich in Wissenschaft und Praxis bietet, aber zum Teil ist diese Buntheit nicht nützlich.

Effizienz, Effektivität, Wirtschaftlichkeit sind solche Begriffe, die gern verwendet, aber zum Teil "umgangssprachlich" verstanden werden, ohne Bezug auf den Diskussionsstand in der Fachwelt, teilweise auch ohne klaren Bedeutungsgehalt überhaupt. "Effektivität" gleich "Wirksamkeit" ist mehr als Effizienz - darin sind sich so unterschiedliche Verfechter der Verwaltungsmodernisierung einig wie KGSt und Budäus. Aber die Praxis sieht z. T. nicht einmal die Probleme, die mit der fachwissenschaftlichen Begriffsbildung geordnet worden sind (die erbrachte Leistung ist oft nicht Selbstzweck, sondern Instrument für Wirkungen, die erst den Beitrag zum Gemeinwohl darstellen. Das "Knöllchen" trägt nur zum Gemeinwohl bei, wenn es der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs dient, BAföG nur dann, wenn es die Zahl von Studenten erhöht und/oder Studenten das Studium erlaubt, die sonst nicht studieren würden, und nicht nur Mitnahme-Effekte produziert).

Zu den Sprachproblemen einige weitere Beispiele:

nach obenEntsprechendes gilt für Begriffe wie "Kultur", "Coaching" (siehe die Stichwörter im Glossar), aber auch "Controlling"

  ... und Unklarheiten in den Fachwissenschaften

BWL und Verwaltungsmanagementlehre sind nicht durch gesetzliche Vorgaben strukturiert, es gibt unterschiedliche "Schulen", teils wird z. B. die Betriebswirtschaftslehre "klassisch" verstanden als normative Disziplin vom rationalen ökonomischen Handeln, teils als - auch - empirisch fundierte Disziplin, die die Forschungsansätze, -methoden und -ergebnisse von Entscheidungs- und Sozialwissenschaften aufnehmen (Ulrich, Frese, Schreyögg, Bleicher und die Vertreter des St. Galler Management-Konzepts, und zahlreiche andere).

Es besteht deshalb ein praktisches Bedürfnis nach einem jederzeit zugänglichen Glossar der Fachbegriffe für Verwaltungsmanagement und für die Verwaltungsmodernisierung. Damit sollen die modernen Konzepte und Begriffe nicht nur verständlich werden, zugleich sollen damit auch Hinweise auf Problemaspekte oder Lösungsansätze gegeben werden, die sonst vielleicht übersehen werden (z. B. das Potenzial von Organisationsentwicklung als sozialpsychologisches ganzheitliches Konzept, "Kultur" als unsichtbare, aber höchst wirksame Steuerungsgröße, die durch Sonntagsreden nicht änderbar ist, auf die Bedingungen erfolgreicher Modernisierung, Transaktionskosten als Folgekosten von Outsourcing oder Privatisierung, das Potenzial von strategischem Management und umfassendem Qualitätsmanagement, usw. nach oben

 Wissensmanagement für die Verwaltungsmodernisierung - die vergessene Aufgabe

Die Exekutiven in Bund, Ländern und Gemeindes proklamieren Modernisierung, formulieren neue Konzepte mit einer Vielzahl neuer Vokabeln. Wie die Beschäftigten, die doch nach den amtlichen Erklärungen entscheidend für die Umsetzung der Reform sind, mit dieser Sprach- und Konzeptionsvielfalt zurecht kommen, wird nicht gesagt. Wissensmanagement wird - in gleichem Atemzug - proklamiert, dass Reform aber dringend der Unterstützung durch Wissensmanagement bedarf, wird nicht gesehen.

Diese Lücke will dieses Angebot helfen zu verringern.

Daneben soll es den Zugang zu weiteren Fachbereichen ermöglichen, etwa Informationstechnik (IT), den umfangreichen Sprachgebrauch der Kosten- und Leistungsrechnung und des Controlling (s. dazu das KLR-Glossar des Bundes). Was es letztlich zu leisten vermag, wird abhängig sein davon, inwieweit die Idee Akzeptanz und Unterstützung findet.nach oben

 Wissensspeicher: Begriffe und Mehr ...

Das Glossar ist Kern eines Wissensspeichers zu den Fachgebieten - für die Praxis, für das Studium von Public Management und für alle,die an diesem Thema interessiert sind, einschließlich - hoffentlich - der Politik, wenn sie schnell auf verlässliche Informationen zurückgreifen will.

Bei Stichwörtern, zu denen weitere Materialien vorliegen, weist ein M auf Mehr ... hin, auf weitere Erläuterungen, Praxismaterialien usw. Ein S signalisiert Studienmaterial zum Thema, L steht für Links zu Informationen auf anderen Webseiten im Internet. Teilweise verzweigen die Beiträge oder Zusatzinformationen zu speziellen Glossaren, z. B. dem Glossar der Standard-KLR des Bundes. In späteren Stadien des Ausbaus sollen bei allen Themen, die für das Studium relevant sind, Verzweigungen zu Studientexten einschließlich Übungs- und Testaufgaben verfügbar sein. nach oben

Mitmachen erwünscht! - Siehe jetzt auch dazu das OlevWiki

Beiträge sind willkommen. Andererseits kann im Interesse der Einheitlichkeit und der Kundenfreundlichkeit auf die redaktionelle Gesamtverantwortung nicht verzichtet werden - Open Source im Sinne der Verfügbarkeit für alle ist nicht die Lösung, die hier weiterhilft. Dafür fehlen auch die Ressourcen, über die Wikipedia zu aktivieren in der Lage ist.

Es gelten deshalb auch © Copyright und Nutzungsbedingungen, wie für eine Internet-Publikation üblich.nach oben

Träger dieses Lexikons: ehrenamtlich, privat finanziert

Es ist zunächst entstanden aus dem Glossar für meine Studierenden, das gedruckt wurde. Die Querverweise waren schon als Hyperlinks gestaltet, die Idee, es im Internet zur Verfügung zu stellen, lag also nahe.

Und da - wen erstaunt's - die bürokratisches Strukturen auch in der FH Bund zu starr waren, ist dies ein privat finanziertes Angebot, seit 1999 im Internet verfügbar. Über die Website der FH Bund, Brühl, gäbe es das Angebot wohl auch heute (2011) noch nicht - oder nicht mehr. Wenn sich andere, bessere, Stukturen - mit geregelter Kooperation und auf Dauer auch besseren technischen Möglichkeiten - bieten, kann es gern darin aufgehen, einschließlich der einprägsamen Web-Adressen für den Einstieg ("verwaltungslexikon.de" bzw. "online-verwaltungslexikon.de"), siehe dazu genauer den Vortragstext "Wissensmanagement mit olev.de" vom Januar 2003.

Da es keine berufliche Aktivität ist, die in Wahrnehmung einer bezahlten Beschäftigung ausgeübt wird, ordnet es sich ein in den Bereich ehrenamtlicher Tätigkeiten, den "dritten Sektor".nach oben

Zum Problem der Begriffsbildung  - einige Stichwörter - 

Definitionen in diesem Lexikon sind zumeist normativ (vorschreibend), der Sprachgebrauch (in Praxis und Wissenschaft!) ist jedoch oft gemischt, mit den - normativ - definierten Begriffen werden auch die Erscheinungen des Lebens benannt, unabhängig davon, ob sie den definierten Ansprüchen genügen oder nicht, der Begriff wird also auch deskriptiv verwendet. Beispiele: Betrieb, Leitungsspanne, Führung , Management, Planung, selbst scheinbar so einfache und technische Begriffe wie "Akte" werden oft normativ definiert, obwohl auch eine falsche Leitungsspanne mit diesem Begriff benannt wird, auch eine unsystematisch geführte Akte eine Akte ist, auch schlechte Führung "Führung" - eben schlechte - ist, entsprechendes gilt für "Betrieb", "Planung", "Management "usw.

Das Glossar orientiert sich überwiegend an der üblichen Praxis, die in vielen Fällen nur die normative Bedeutung (z. B. Führung als Führungsaufgabe) für klärungs- oder definitionsbedürftig hält, aber die Erscheinungen des Lebens unabhängig davon dann doch auch mit dem gleichen Begriff bezeichnet.

Im Zweifel ist eine Definition also als normativ zu lesen, aber gleichzeitig ist - ohne besondere Definition - daraus auch die Definition für den deskriptiven Begriff zu erschließen, für den dann die Forderungen nicht oder nur eingeschränkt gelten. Eine Unklarheit, mit der wir bisher meist ganz gut leben konnten. Wir sind eben nicht in der Physik.

Damit entspricht dieses Lexikon wohl nicht den Anforderungen der DIN 2330, Begriffe und Benennungen – Allgemeine Grundsätze, was derzeit aber auch nicht realisierbar erscheint, selbst wenn es wünschenswert wäre.

Im Übrigen seien folgende Überlegungen zur Forderung nach Definitionen zur Diskussion gestellt:


Brauchen wir gar keine Definitionen, sondern nur einen klaren Sprachgebrauch? Was ist mit "Definition" gemeint? Davon hängt ab, was die Forderung nach Definitionen bedeutet und ob sie sinnvoll oder gar unverzichtbar ist.

Karl Popper hat diese Frage ausführlich in seinem Beitrag "Zwei Arten von Definitionen", 1945, behandelt. Er unterscheidet nominalistische und essentialistische Definitionen, letztere versuchen, den „Sinn“ des Begriffes, das Wesen eines Dinges zu beschreiben, nur: dieser Versuch kann nicht gelingen. Sein hartes Urteil:

Jede Disziplin, die die aristotelische Methode des Definierens verwendet hat, blieb in einem Stadium leerer Wortmacherei und in einem unfruchtbaren Scholastizismus stecken, und das Ausmaß, in dem die verschiedenen Wissenschaften fähig waren, Fortschritte zu machen, hing ab von dem Ausmaß, in dem sie fähig waren, sich von dieser essentialistischen Methode zu befreien. (Das ist der Grund, warum ein so großer Teil unserer ›Sozialwissenschaften‹ noch immer im Mittelalter steckt.) (Popper 1945: 70).

Zu Definitionen in der Wissenschaft heißt es (Popper 1945: 76):

„In der modernen Wissenschaft kommen nur nominalistische Definitionen vor, d. h. abkürzende Symbole oder Etiketten, die zur abkürzenden Darstellung einer langen Formel eingeführt wurden. Und daraus können wir sogleich sehen, dass Definitionen in der Wissenschaft keine besonders wichtige Rolle spielen. Denn abkürzende Symbole lassen sich natürlich immer durch die längeren Ausdrücke, durch die Definitionsformeln ersetzen, die sie vertreten.

Unsere ›wissenschaftliche Erkenntnis‹ in dem Sinn, in dem dieser Begriff zweckmäßig verwendet wird, bleibt völlig unberührt, wenn wir alle Definitionen eliminieren; die einzige Auswirkung betrifft die Sprache, die zwar nicht an Präzision, sondern nur an Kürze verlieren würde.“

Das erläutert Popper (1945: 82) an Beispielen aus den Naturwissenschaften:

Die Idee, daß die Genauigkeit der Wissenschaft oder der wissenschaftlichen Sprache von der Genauigkeit ihrer Begriffe abhängt, ist sicher sehr plausibel, aber ich halte sie nichtsdestoweniger für ein bloßes Vorurteil. Die Präzision einer Sprache hängt vielmehr gerade davon ab, daß sie sich sorgfältig bemüht, ihre Begriffe nicht mit der Aufgabe zu belasten, präzise zu sein. Ein Begriff wie ›Düne‹ oder ›Wind‹ ist sicher sehr vage. (Wie viele Zentimeter hoch muß ein kleiner Sandhügel sein, um eine ›Düne‹ zu heißen? Wie schnell muß sich die Luft bewegen, um ›Wind‹ genannt zu werden) Dennoch sind diese Begriffe für viele Zwecke des Geologen hinreichend genau; und in anderen Umständen, wenn ein höherer Grad der Unterscheidung verlangt wird, kann er immer sagen ›Dünen von einer Höhe zwischen einem und acht Metern‹ oder ›Wind von einer Geschwindigkeit zwischen fünfzehn und dreißig Kilometern pro Stunde‹. Und in den exakten Wissenschaften ist die Situation ähnlich. Bei physikalischen Messungen zum Beispiel bemühen wir uns immer, den Bereich in Betracht zu ziehen, innerhalb dessen Fehler auftreten können; und Präzision besteht weder in dem Versuch, diesen Bereich zur Gänze zu beseitigen, noch in der Behauptung, daß es einen solchen Bereich nicht gebe, sondern vielmehr in seiner expliziten Anerkennung.

Auch ohne Definitionen in dem geforderten Sinne kann produktive wissenschaftliche Arbeit, kann fachliche Austausch, kann interdisziplinäre Zusammenarbeit geleistet werden, wenn und soweit sich die Bedeutung aus dem Gesagten ausreichend ergibt, unsere Sprache „hinreichend genau“ ist.

Quelle:
Popper, Karl (1945): Zwei Arten von Definitionen. Hier zitiert nach: Karl Popper, Lesebuch: Ausgewählte Texte zu Erkenntnistheorie, Philosophie der Naturwissenschaften, Metaphysik, Sozialphilosophie. Hrsg. von David Miller. 2. Aufl., Tübungen 1997, S. 70-82.

Alternative Schreibweisen und Benennungen 

Zum Teil existieren unterschiedliche Schreibweisen und Benennungen, die im Beitrag selbst nicht genannt werden (können: bei Eigennamen). Siehe dazu die Zusammenstellung von Alternativen.


nach obenAnmerkungen

[1] So die Formulierung der Stabsstelle Moderner Staat, http://www.staat-modern.de/programm/effi.htm, übernommen am 15.04.2001, bei der Vorstellung des Kabinettsbeschluss vom 1. Dezember 1999: Moderner Staat - Moderne Verwaltung

[2] So jedenfalls das Glossar (http://www.staat-modern.de/infos/glossara.htm) im Februar 2001, inzwischen geändert und heute (2005) schon längst nicht mehr im Internet verfügbar.